AdT: Violette – mit Veilchengeschmack (28.01.2022)

Historische Abbildung eines gelb-rötlichen Apfels, dazu Beschriftung; BUND Lemgo
Der Violette, auch Veilgenapfel; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist der Violette, die Abbildung stammt aus der Pomona Franconica von Johann Prokop Mayer (1737-1804). Wobei dies der französische Name ist, auf Deutsch nennt Mayer ihn Veilgenapfel, also Veilchenapfel. Seine Pomona Franconica hat er ja 2-spaltig in französischer und deutscher Sprache verfaßt, daher sind auch die Äpfel auf den Tafeln zweisprachig ausgezeichnet. Interessanterweise erwähnt Mayer nicht, daß der Apfel eben als Violette bereits Ende des 17. Jahrhunderts in Frankreich verbreitet gewesen sein soll. Das war ihm vielleicht auch nicht bekannt.

In der Obstsortendatenbank finden sich unter „Veilchenapfel“ Abbildungen eben des Veilchenapfels sowie des Sommer-, des Herbst- und des Winterveilchenapfels. Ich hatte kürzlich schon im Zusammenhang mit dem Kleinen Faros Mayers Vergleich mit dem „Veilchenapfel“ erwähnt, der es nach den Bildern aber nicht sein konnte; damals vermutete ich, daß er den Winterveilchenapfel meinte. Vielleicht waren die Sorten zu seiner Zeit noch nicht wirklich differenziert und er hatte deshalb auch seinen Apfel mit dem unbestimmten Namen bezeichnet.

Also erst mal schauen, wie Mayer den Apfel beschreibt: Wenig überraschend, entwickelt der Apfel beim Essen einen Veilchengeruch, weshalb Mayer ihn zu den Fencheläpfeln zählt; der Botaniker Otto von Münchhausen (1716-1774), auf den Mayer verweist, hatte ihn eine Variante des Anisapfels genannt. Heinrich Ludwig Manger (1728-1790) widersprach, da die Beschaffenheit der Schale nicht stimme. Und der französische Botaniker Henri Louis Duhamel du Monceau (1700-1782) hielt ihn für eine Kalwill-Sorte. Hier heißt es also: drei Pomologen, vier Meinungen …

Den Apfel beschreibt Mayer etwas größer als mittelgroß, sehr länglich und mit der größten Wölbung unten – so ist es ja auch auf der Abbildung zu sehen. Die glatte Schale ist hellgelb, auf der Sonnenseite wird dies aber durch ein kräftiges Rot überdeckt, das in Streifen oder Bändern auftritt; wenn, dann ist dies auf der sonnenabgewandten Seite nur in kleinen Strichen zu sehen.

Das feine, zartkörnige Fruchtfleisch hat nach Mayer einen „vorzüglich lieblichen, gezuckerten, und mit einem ausgesuchten Veilchengeuch durchwürzten Saft.“ Er hält den Apfel für einen der besten. Gegen Weihnachten sei er eßreif, bis in den Mai könne er gelagert werden.

Da, wie oben geschrieben, schon wegen der Form als Vergleich für mich nur der Winterveilchenapfel in Frage kommt, führe ich hier mal an, was im Deutschen Obstcabinet von Christian Eduard Langethal (1806-1878) zu dem Apfel zu lesen ist. Zwischen ihm und Mayer liegen mehr als 50 Jahre, was natürlich Unterscheide zeitigen könnte.

Auch Langethal beginnt seine Ausführungen erst einmal mit Berufung, Unterschiedungen und Abgrenzungen – in diesem Fall zu den Pomologen Sickler, Dittrich und Christ. Er ordnet den Apfel, der zu den länglichen Plattäpfeln gehöre, als Frucht II. Ranges ein.

Am Baum sei die Schale noch grün, reife dann aber zu einem Gelb und Rot. Auch er attestiert einen langen Stiel, der in einer tiefen Höhle sitzt. Natürlich bemerkt auch Langethal einen starken Veilchengeruch des Fruchtfleisches, findet die Äpfel zwar nicht saftreich, aber doch sehr schmackhaft. Und da er die Genußreife für den langen Zeitraum von Januar bis Mai angibt, empfiehlt er den Anbau – zumal der Baum einen guten Ertrag bringt.

Für mich spricht da nichts gegen die Korrektur des Mayer’schen Veilchen- zum Winterveilchenapfel. Der wiederum noch heute bei Baumschulen erhältlich ist.

Hier noch etwas zu den Illustrationen in Mayers Pomona Franconica. Mayer, der Würzburger Hofgärtner war, hat die Sammlung zwischen 1776 und 1801 herausgegeben. Anlaß war, daß ihm die Abbildungen in anderen pomologischen Büchern zu schlecht waren. Daher wandte er sich an den Nürnberger Verleger Adam Wolfgang Winterschmidt (1733-1796), der zugleich ein hervorragender Buchillustrator war.

Zur Pomona Franconica gab es 2007 in der Würzburger Universitätsbibliothek eine Ausstellung, bei der erst- und wohl auch letztmalig bis dahin unbekannte Originalzeichnungen zu sehen waren. Sie gehören der Nationalen Kulturstiftung von Katar und wurden nach der Ausstellung nach Katar gebracht. Einen kleinen, dennoch informativen Bericht gibt es als schön aufgemachtes PDF.

Und sonst:

Zum Tagesausklang empfehle ich Mozarts „Das Veilchen„, KV 476; falls ein Winterveilchenapfel zur Hand ist … Dietrich Fischer-Dieskau, der hier von Daniel Barenboim begleitet wird, höre ich immer gern.

Und beim Tippen der Beitragsüberschrift fällt mir gerade noch ein, daß es in meiner Jugend hübsch gemachte Blechdosen mit Veilchenpastillen gab – da muß ich doch mal schauen, ob es die heute noch gibt.

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