AdT: Rosenapfel (05.06.2022)

Historische Abbildung von drei grünlichen, einem orange-rötlichen und zweier aufgeschnittener Äpfel; BUND Lemgo
Virginischer Rosenapfel; © BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist der Virginische Rosenapfel, die Abbildung stammt
aus der zwischen 1905 bis 1930 erschienenen Loseblattsammlung „Deutschlands Obstsorten“, die immer wieder mit wirklich schönen Illustrationen aufwartet. In der Obstsortendatenbank des BUND Lemgo gibt es zahlreiche Abbildungen der Sorte.

Ich hatte die Sorte schon einmal im Blog, damals mit der Abbildung aus dem Buch Aepfel und Birnen – die wichtigsten deutschen Kernobstsorten von Rudolf Goethe, Hermann Degenkolb und Reinhard Mertens aus dem Jahr 1894.

Da ich damals etwas knickerig mit den Angaben war (es war erst mein 6. Beitrag), hier ein paar ergänzende Informationen aus dem 1875 erschienenen „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“, das von Eduard Lucas (1816-1882) und Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) herausgegeben wurde – Oberdieck hat den Beitrag zum Rosneapfel verfaßt.

Die Sorte war bis zu Oberdiecks Beschreibung nach dessen Angaben nur von Diehl beschrieben worden, der den Apfel aus dem niederländischen Harlem erhalten hatte. Er war 1875 wohl (noch) nicht sehr verbreitet.

Oberdieck empfiehlt den Anbau des „höchst wertvollen“ Sommerapfels, der reichliche Ernte bringe und in unterschiedlichen Böden zurecht kommt – besonders, wenn nur eine Sommersorte angepflanzt werden könne. Die Ernte kann Anfang August, kurz nach der des Weißen Astrachans, erfolgen, der Rosenapfel hält länger und sei im Geschmack auch besser.

Die zarte Schale hat am Baum einen leichten Duft, der sich später zu einem kräftigen, angenehmen Duft entwickelt. Die Schale ist bei der Ernte noch strohweiß, wandelt sich danach zu einem schönen Gelb. Auf der Sonnenseite zeigen sich vereinzelte rote Streifen. Oberdieck erwähnt, daß sich in manchen Böden die Streifen kräftiger ausprägen.

Das gelbliche, lockere Fruchtfleisch ist zart, durchaus saftig und hat einen angenehmen rosenartigen und feinen Weingeschmack.

Obwohl die Sorte auch als Tafelapfel verwendet werden kann, sei sie in erster Linie als Küchenapfel zu gebrauchen.

Bei Johann-Heinrich Rolff habe ich noch ein paar weitere Informationen gefunden: Die Sorte stamme aus Virgina (was der Name nahelegt), sei um 1870 in Deutschland eingeführt worden. Sie wurde im 19. Jahrhundert in Böhmen und Slowenien angebaut.

Dagegen wird bei „Wunschapfel.de – Ein Projekt des Landschaftspflegeverbands „Oberes Vogtland“ e.V.“ der Ursprung mit „1816 aus baltischer Provinz Rußlands“ angegeben, was ebenfalls passen könnte, weil die Sorte mit Synonymen wie

Sankt Germain, Apfel aus St. Germain, Sibirischer Glasapfel, Virginischer Glasapfel,

aber auch als Livländer Liebling bezeichnet wird. Und das „Julius-Kühn-Institut“ nennt die Abstammung als unbekannt, die erste Erwähnung mit 1816 und das Ursprungsland Niederlande. Das klingt aber nach der anfangs erwähnten Herkunft von Diehls Exemplar. Als Verbreitungsgebiete werden „Böhmen und Slowenien sowie russische Küstengebiete“ genannt, was für mich auch etwas nach „Literatur“ klingt.

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