AdT: Api Étoilé – mehr Schein als … (17.03.2018)

Historische Abbildung eines gelblich-rötlichen und eines aufgeschnittenen Apfels; BUND Lemgo
Der Sternapfel, aus Johann Prokop Mayers „Pomona Franconica“; ©BUND Lemgo

Der heutige Apfel des Tages ist in Deutschland als Sternapfel oder Sternapi bekannt. Und ist mal ganz was anderes. Die Überschrift im Schweizer Wochenspiegel drückt es unmißverständlich aus: „Der Apfel sieht besser aus, als er schmeckt“. Aber einer so alten Apfelsorte verzeiht man das: Angeblich stammt dieser Apfel aus der Römerzeit!

Der französische Autor, Bodenkundler, Agronom und Agrarreformer Olivier de Serres (1539-1619), der als Begründer der französischen Landwirtschaft gilt, hatte vierzig Jahre lang ein Mustergut betrieben und 1600 ein über tausend Seiten starkes „Kompendium Landwirtschaft und Ackerbau“ veröffentlicht. Das nicht nur ein lehrreiches Handbuch war, sondern auch literarisch gut geschrieben. Bei der BnF ist „Le Théâtre d’agriculture et mesnage des champs“ online vorhanden und kann auch heruntergeladen werden. De Serres stufte den Sternapi als einen Urapfel ein, der schon in der Antike bekannt gewesen sei.

Der Schweizer Arzt und Botaniker Jean Bauhin (1541–1612) hat wohl die älteste Beschreibung des Apfels gegeben und ihn wegen seiner auffälligen Form „pomum pentagonum“, Fünfsterneapfel, genannt.

Gustav v. Flotow (1789-1864) beschreibt den Apfel im „Illustrierten Handbuch der Obstkunde“ (PDF) ausführlich. Um 1875 ist die Sorte recht selten zu finden – er begründet dies damit, daß der Apfel „nur für den eigentlichen Pomologen Werth hat“.

Das gelbliche Fruchtfleisch ist grob und fest, recht trocken und sehr sauer, dabei ist der Geruch ist nur schwach. Der Apfel wird im Oktober gepflückt, hält sich von Dezember bis Juni; genuß-reif sei er ab März.

Die glatte, geschmeidige und recht feine Schale ist leuchtend gelb, auf der Sonnenseite rot verwaschen. Sie ist mit sehr feinen Punkten versehen, die im Gelben braun und weißlich unter der Schale, im Roten gelb ercheinen. Die Schale welkt nicht und hat einen merklichen Duft.

Auch Eduard Lucas (1816-1882) nennt ihn „mehr Zier- als Wirtschaftsapfel“. Allerdings soll die Sorte in Tirol als Pfaffenkäpple verbreitet gewesen sein und sich dort schmackhaft entwickelt haben, weshalb er auch im Handel geschätzt wurde. Lucas nennt noch eine Verwendung: „Er ist eine wahre Zierde für den Christbaum.“

Und eine weitere Eigenart hat der Apfel: Er fällt nicht nur nicht weit von Stamm – er fällt gar nicht, sondern muß gepflückt werden.

Im oben schon erwähnten „Wochenspiegel“ gab es im Juli 2016 zum Apfel des Tages einen sehr interessanten Artikel, in dem auch berichtet wird, wie diese alte Sorte 1981 in der Schweiz durch Zufall wiederentdeckt wurde und im Rahmen des BEVOG Projekts wieder gezüchtet wird.

In der Schweiz hat man den Sternapi mit aromatischen Sorten gekreuzt, um so einen geschmacklich interessanteren Apfel zu bekommen, den APISTAR®.

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