AdT: Woodville’s Matchless (21.02.2022)

Historische Abbildung einer Buchseite mit Text, Ornament-Rahmen und einem gelben Apfels mit einer kleinen roten Färbung; Biodiversity Heritage Library
Der Woodville’s Matchless; © Biodiversity Heritage Library

Der heutige Apfel des Tages, der englische Woodville’s Matchless, gehört zu den nicht ganz unbescheidenen Sorten, denen ein Nonpareil, Non(e)such, Unvergleich oder eben ein „Matchless“ im Namen verpaßt wurde. Die Abbildung stammt, wie an der ungewöhnlichen Text-Bild-Gestaltung zu erkennen ist, aus The Fruitist, zu dem ich schon ein bißchen geschrieben hatte und der um 1852 von Benjamin Maund (1790-1863) veröffentlicht wurde. Vollständig heißt das Werk „The fruitist: a treatise on orchard and garden fruits, their description, history, and management“.

Maund beginnt zunächst mit einem Lobgesang auf Äpfel überhaupt:

Es gibt keine Frucht, die wir kennen, die für so vielfältige Zwecke verwendet werden kann.

Und verweist dann gleich mal auf das Hohelied Salomos, in dem es heißt:

Wie ein Apfelbaum unter den wilden Bäumen, so ist mein Freund unter den Söhnen. Ich sitze unter dem Schatten, des ich begehre, und seine Frucht ist meiner Kehle süß. (Hohelied 2,3)

Dann folgt eine Aufzählung all der Qualitäten dieses Obstes, und daß mit der Äpfelsäure sogar beim Textilfärben gearbeitet würde.

Etwas verwirrend finde ich diese allgemeinen Ausführungen, schließlich ist der Woodville’s Matchless nicht die erste Sorte, die im Buch beschrieben wird. Aber dann kommt Maund endlich auf die Sorte selbst.

Der Woodville’s Matchless würde in einigen Gegenden als Dessertapfel geschätzt. Sein Fruchtfleisch ist mildsäuerlich, saftig und angenehm, genügt aber nicht Maunds Ansprüchen, die er an erstklassige Tafeläpfel stellt. Doch läßt sich die Sorte sehr gut lagern, die Zeichnung wurde im April angefertigt. Es sei im Allgemeinen ein guter Küchenapfel, wenn er auch etwas zu mild sei.

Die Schale behält auch auf der Sonnenseite seine Grundfarbe, kann dort jedoch ein weiches Rötlichbraun annehmen, zudem können sich leichte Rostflecken zeigen. Erst spät in der Saison verliert die Schale die grünlich-gelbe Grundfarbe und nimmt ein mattes Gelb an.

Das abgebildete Exemplar bekam Maund von einem Mr. Rivers aus Sawbridgeworth. Dieser teilte ihm mit, daß der Baum ein gesundes Wachstum zeige und guten Ertrag bringe. In Obstgärten kann man ihn als Sämling ziehen, das Pfropfen sei aber auch möglich. Durch seine kräftige Konstitution sei der Woodville’s Matchless für zähe, tonhaltige Böden geeignet. Maund empfiehlt ihn eher für den profitablen Erwerbsanbau als für die Gartenkultur.

Und sonst:

Eine andere „alte Sorte“ war der Londoner Motorrad- und Automobil-Hersteller „Matchless“, der zu den ältesten britischen Firmen zählte. Bei Youtube gibt es die Testfahrt einer Matchless von 1913 mit ganz schönem Klang. Schön klingen (autsch) auch die Beach Boys, die auf ihrem 1964er Album „All Summer Long“ im Song Little Honda auch die Matchless nennen: „It climbs the hills like a Matchless“.

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